Logistik & Intralogistik

AMR vs. AGV: Welche Technologie macht Ihre Intralogistik zukunftssicher?

Der datenbasierte Vergleich: Autonome Mobile Roboter (AMR) gegen Automated Guided Vehicles (AGV) – mit ROI-Berechnung, TCO-Analyse über 5 Jahre und strategischem Entscheidungs-Framework für 2025.

📌 TL;DR - AMR vs. AGV auf einen Blick

  • Marktentwicklung: AMR erobern 65% aller Neuinstallationen (2024), Gesamtmarkt wächst von 6,4 Mrd. USD (2025) auf 15,6 Mrd. USD (2030)
  • Implementierung: AMR in 48h-2 Wochen einsatzbereit (keine Infrastruktur), AGV benötigen 6 Wochen-Monate (15.000-50.000€ Infrastruktur)
  • ROI: AMR 6-18 Monate, AGV 12-24+ Monate | 5-Jahres-TCO: AMR 180.000€ vs. AGV 230.000€ (bei gleicher Kapazität)
  • Entscheidungsregel: Stabil + Vorhersagbar = AGV | Dynamisch + Ändernd = AMR | Gemischte Operationen = Hybrid-Ansatz

1. Technische Grundlagen: Der fundamentale Unterschied

Die Wahl zwischen AMR und AGV entscheidet über weit mehr als nur Technologie – sie prägt Ihre Flexibilität, Skalierbarkeit und letztlich Wettbewerbsfähigkeit für die nächsten 10 Jahre. Der globale Markt für beide Technologien explodiert von 6,4 Milliarden US-Dollar (2025) auf 15,6 Milliarden US-Dollar bis 2030 , wobei AMR mit 65% aller Neuinstallationen (2024) den Markt dominieren.

🔍 Kernunterschied in 30 Sekunden

AMR (Autonomous Mobile Robots) navigieren autonom mit KI und SLAM-Algorithmen, erstellen Echtzeitkarten ihrer Umgebung und passen Routen dynamisch an Hindernisse an. AGV (Automated Guided Vehicles) folgen vordefinierten Routen via Magnetband, Draht oder Laser-Reflektoren mit millimetergenauer Präzision, stoppen aber bei Hindernissen und warten auf Beseitigung.

Navigation & Sensorik im Vergleich

Kriterium AMR (Autonomous Mobile Robots) AGV (Automated Guided Vehicles)
Navigationstechnologie SLAM-Algorithmen + Sensorfusion (LiDAR, 3D-Kameras, IMU, Ultraschall) Magnetband, Draht, Laser-Reflektoren (44,1% Marktanteil 2024)
Positioniergenauigkeit ±1 cm (fortgeschrittene Systeme) ±25 mm (Drahtführung), ±10 mm (Laser-Triangulation)
Hinderniserkennung 360° Sensorik, automatische Ausweichrouten Vorwärtsgerichtete Sensoren, Stopp bei Blockade
KI-Intelligenz Deep Learning für Objekterkennung, kontinuierliches Lernen Minimale Bordintelligenz, vorprogrammierte Anweisungen
Umgebungsanpassung Dynamische Kartenaktualisierung, flexible Routenplanung Feste Pfade, Änderung erfordert physische Anpassung

Die Analogie: AMR sind wie Autos, die um Hindernisse herumfahren können. AGV sind wie Züge, die auf ihren Gleisen bleiben müssen, bis der Weg frei ist. Diese fundamentale Unterscheidung erklärt 90% aller Anwendungsfall-Entscheidungen.

2. Flexibilität & Implementierung: 48 Stunden versus 6 Wochen

Die Implementierungsgeschwindigkeit entscheidet über die Wirtschaftlichkeit der Automatisierung. DHL demonstrierte 2024 eindrucksvoll: Installation von AMR in 12 Logistikhubs mit 48-Stunden-Kartierung pro Standort statt 6 Wochen für AGV – Einsparung von 18 Millionen US-Dollar an Einrichtungskosten.

🚀

AMR: Plug & Play

  • Setup: 48 Stunden - 2 Wochen
  • Infrastruktur: 0 EUR (keine baulichen Maßnahmen)
  • Kartierung: Manueller Rundgang oder CAD-Import
  • Rekonfiguration: Software-Update in Minuten
  • Skalierung: Neue Roboter innerhalb 1 Tag integriert
⚙️

AGV: Engineering-Intensiv

  • Setup: 6 Wochen - mehrere Monate
  • Infrastruktur: 15.000-50.000+ EUR (Magnetband, Reflektoren, Draht)
  • Installation: Bodenschnitte, Verkabelung, Reflektor-Montage
  • Rekonfiguration: Physische Anpassung + Produktionsunterbrechung
  • Skalierung: Neue Pfade = neue Infrastruktur

💡 Praxis-Beispiel: Geek+ Supermarkt-Automatisierung

Ein asiatischer Supermarkt wurde innerhalb von 2 Wochen vollständig automatisiert mit AMR – von Kartierung bis Vollbetrieb. Die gleiche Installation hätte mit AGV 3 Monate + 35.000 EUR Infrastrukturkosten erfordert. Das Ergebnis: ROI in 8 Monaten statt prognostizierter 18 Monate mit AGV-Lösung.

3. Kostenstrukturen & ROI: Die Gesamtrechnung entscheidet

Der Roboterpreis ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Total Cost of Ownership (TCO) über 5 Jahre erzählt die wahre Geschichte – und favorisiert AMR deutlich in den meisten Szenarien.

5-Jahres-TCO Beispielrechnung

Kostenfaktor AMR (3 Einheiten) AGV (3 Einheiten) Differenz
Anschaffung Roboter 90.000 EUR
(3x 30.000 EUR)
75.000 EUR
(3x 25.000 EUR)
+15.000 EUR
Infrastruktur 0 EUR 30.000 EUR
(Magnetband, Reflektoren)
-30.000 EUR
Installation & Setup 5.000 EUR
(1 Woche Consultant)
20.000 EUR
(4-6 Wochen Engineering)
-15.000 EUR
Wartung (5 Jahre) 45.000 EUR
(3.000 EUR/Jahr/Einheit)
60.000 EUR
(4.000 EUR/Jahr/Einheit)
-15.000 EUR
Layout-Änderungen 2.000 EUR
(Software-Updates)
15.000 EUR
(3x Pfad-Änderungen)
-13.000 EUR
Ausfallkosten 8.000 EUR
(Hochverfügbarkeit)
20.000 EUR
(Pfad-Blockaden)
-12.000 EUR
Software & Updates 30.000 EUR
(Fleet Management)
10.000 EUR
(Basic Control)
+20.000 EUR
GESAMT (5 Jahre) 180.000 EUR 230.000 EUR -50.000 EUR (22% günstiger)

📊 ROI-Insights aus der Praxis

  • AMR-Amortisation: 6-18 Monate (Median: 12 Monate)
  • AGV-Amortisation: 12-24+ Monate (Median: 18 Monate)
  • DHL-Fallstudie: 300 temporäre AMR in Hochsaison = 5 Mio. USD Personalkosteneinsparung
  • DENSO Automotive: MiR250-Flotte erreichte ROI in unter 12 Monaten
  • Amazon Robotics: >750.000 AMR weltweit = 40% Produktivitätssteigerung

4. Anwendungsfälle & Best Practices

Die Technologiewahl folgt klaren Mustern basierend auf Ihrer operativen Umgebung. Hier sind die bewährten Anwendungsfälle aus über 10.000 globalen Installationen:

Wann AMR die richtige Wahl sind

✅ AMR: Optimal für dynamische Umgebungen

  • E-Commerce & Fulfillment: Variable Auftragsmuster, saisonale Peaks, häufige Layout-Änderungen
  • Flexible Fertigung: Produkt-Mix-Variabilität, kurzfristige Produktionswechsel
  • 3PL-Logistik: Wechselnde Kundenbedürfnisse, multi-tenant Lagerhallen
  • Krankenhaus-Logistik: 24/7 Personal-Interaktion, unvorhersehbare Hindernisse
  • Retail-Distribution: Kleinserien-Transport, Kommissionierung, Cross-Docking

Entscheidende Faktoren: Umgebung ändert sich monatlich/wöchentlich | Hohe Personal-Interaktion | Layout-Flexibilität kritisch | Schnelle Skalierung erforderlich

Wann AGV die richtige Wahl sind

✅ AGV: Optimal für stabile Umgebungen

  • Automotive-Produktion: Chassis-Transport auf festen Linien, präzise Übergaben
  • Hochregallager: Definierte Pfade zwischen Regalgassen, keine Layout-Änderungen
  • Schwerlasttransport: Paletten über 1.500 kg, extreme Präzisionsanforderungen (±25mm)
  • Gefährliche Materialien: Isolierte Transportzonen, kein Personal-Kontakt
  • 24/7 Produktion: Hochvorhersagbare Zyklen, vollautomatisierte Lade/Entladesysteme

Entscheidende Faktoren: Layout stabil über Jahre | Wenig/kein Personal in Transportzonen | Extreme Präzision gefordert | Integration mit Fertigungsautomaten

🏭 Branchenspezifische Empfehlungen

Branche Empfehlung Begründung
E-Commerce AMR 95% Variable Auftragsmuster, saisonale Volatilität, schnelle Skalierung
Automotive AGV 75% Stabile Fertigungslinien, Präzision, Schwerlast
Pharma/Healthcare AMR 80% Personal-Umgebung, regulatorische Anforderungen, Flexibilität
Food & Beverage Hybrid 60% AGV für Produktion, AMR für Distribution
3PL-Logistics AMR 90% Multi-tenant, wechselnde Kunden, Layout-Variabilität

5. Praktische Entscheidungshilfe

Diese strukturierte Entscheidungsmatrix basiert auf über 500 Implementierungsprojekten und hilft Ihnen, die optimale Technologie für Ihre spezifische Situation zu identifizieren.

🎯 Entscheidungs-Framework in 5 Schritten

1

Layout-Stabilität bewerten

Stabil (AGV +2): Layout ändert sich < 1x pro Jahr

Moderat (AGV +1): Layout ändert sich 2-4x pro Jahr

Dynamisch (AMR +1): Layout ändert sich monatlich

Hochdynamisch (AMR +2): Layout ändert sich wöchentlich/täglich

2

Personal-Interaktion analysieren

Isoliert (AGV +2): Keine Menschen in Transportzonen

Niedrig (AGV +1): Gelegentliche Kreuzungen, definierte Wege

Hoch (AMR +1): Regelmäßige Personal-Interaktion

Permanent (AMR +2): Geteilte Arbeitsbereiche 24/7

3

Präzisions-Anforderungen definieren

Extrem (AGV +2): ±10-25mm erforderlich (Auto-Docking)

Hoch (AGV +1): ±50mm akzeptabel

Standard (AMR +0): ±1-2cm ausreichend

Niedrig (AMR +1): ±5-10cm unkritisch

4

Skalierungs-Bedarf prognostizieren

Keine (AGV +1): Fixe Anzahl Roboter langfristig

Geplant (AGV +0): Bekannte Expansion in 3+ Jahren

Volatil (AMR +1): Saisonale Peaks/Täler

Aggressiv (AMR +2): Monatliche Kapazitätsänderungen

5

Budget & Zeitrahmen klären

Langfristig (AGV +1): ROI über 24 Monate akzeptabel

Mittel (AGV +0): ROI 18-24 Monate Ziel

Kurzfristig (AMR +1): ROI unter 12 Monate erforderlich

Sofort (AMR +2): Betrieb in Wochen statt Monaten

Auswertung Ihrer Score-Summe:

  • AGV +6 oder höher: AGV klar empfohlen – Ihre Umgebung ist ideal für feste Routen
  • AGV +2 bis +5: AGV wahrscheinlich optimal, prüfen Sie Hybrid-Optionen
  • ±1 bis +1: Neutral – betrachten Sie Hybrid-Ansatz oder starten Sie mit Pilot
  • AMR +2 bis +5: AMR wahrscheinlich optimal, prüfen Sie ROI-Szenarien
  • AMR +6 oder höher: AMR klar empfohlen – maximale Flexibilität erforderlich

✅ Pre-Implementation Checkliste

  • Layout-Stabilität über 3 Jahre prognostiziert
  • Personal-Interaktionsmuster dokumentiert
  • Präzisions-Anforderungen aller Anwendungen definiert
  • 5-Jahres-TCO mit Anbieter-Rechnern berechnet
  • Referenzbesuche bei 2-3 ähnlichen Installationen
  • Fleet-Management-System evaluiert (kritisch für AMR)
  • WMS/ERP-Integration technisch geklärt
  • Sicherheitskonzept nach ISO 3691-4:2023 erstellt
  • Pilot-Bereich für 2-4 Wochen Test identifiziert
  • Change-Management & Training geplant

6. Fazit & Hybride Strategien

Die Frage ist nicht "AMR oder AGV?", sondern "Welche Technologie für welche Zone?" Führende Unternehmen setzen zunehmend auf Hybrid-Ansätze, die das Beste beider Welten kombinieren.

🔄 Hybride Implementierungsstrategien

Strategie 1: Zonierte Operationen

AGV für stabile Zonen: Hochregallager, Produktionslinien, Schwerlasttransport

AMR für dynamische Zonen: Auftragserfüllung, flexible Montage, Personal-Bereiche

Beispiel: Automobilwerk nutzt AGV für Chassis-Transport (Präzision) + AMR für Teile-Kitting (Flexibilität)

Strategie 2: Phasenweise Implementierung

Phase 1 (0-12 Monate): AGV in kontrollierten, hohen ROI-Bereichen

Phase 2 (12-24 Monate): AMR für wachsende/sich ändernde Workflows

Vorteil: Risikominimierung, Lernkurve-Management, Budgetverteilung

Strategie 3: Aufgabentrennung

AGV-Aufgaben: Schwere Paletten (>1.500kg), Langstrecke, repetitive Zyklen

AMR-Aufgaben: Kommissionierung, Sortierung, Nachschub, kollaborative Tasks

Beispiel: Distributionszentrum mit AGV für Wareneingang/Versand + AMR für interne Kommissionierung

💡 Abschließende Empfehlungen

  1. Nutzen Sie das Framework systematisch – Bauchgefühl ist bei Millionen-Investitionen riskant
  2. Fordern Sie Live-Demos in ähnlichen Umgebungen an – Videos zeigen nur Best-Case-Szenarien
  3. Berechnen Sie TCO, nicht Stückpreise – AMR sind trotz höherer Roboterkosten oft günstiger
  4. Starten Sie mit fokussiertem Pilot (2-4 Wochen) in hochwertigem Bereich
  5. Planen Sie für 10 Jahre, nicht 3 – Flexibilität ist wertvoller als anfängliche Kostenersparnis
  6. Umarmen Sie Hybrid-Ansätze – zwingen Sie keine Einheitslösung, wenn Mixed Operations vorliegen

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